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Als es Stefan Heym in den frühen 1990er Jahren für ein gutes Jahr in die Politik verschlug, kreuzten sich die Wege der linken parteinahen Stiftung und des Querdenkers. Als Mitglied der Bundestagsgruppe der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) wollte er den Ostdeutschen, wie er sagte, eine Stimme geben. Nach seinem Tod 2001 schien Heym jedoch nach und nach aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Es war schließlich einem Impuls ehemaliger Wegbegleiter des Schriftstellers zu verdanken, sich ihm gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung wieder anzunähern.

Stefan Heym war so etwas wie ein sozialistischer Idealist, jemand, der sein Bewusstsein und seine Positionen nicht seinem Umfeld, seiner Umgebung oder gar politischen Zwängen angepasste. Ein ständiger Dissident vielleicht. Er vermittelte als politischer Literat in allen seinen Werken eigene Ideale. Mit großer Sorgfalt widmete er sich den Revolutionen in Deutschland und Russland und beschrieb die Helden seiner Geschichten nicht selten mit großer Sympathie.

Als er dem marxistischen Revolutionär Karl Radek eine fast schon romantische Biografie schrieb, wurde ihm vorgeworfen, zu verklären. Dabei lag Heym wohl zuvorderst daran, Hintergründe und Verstrickungen in der turbulenten Zeit zwischen den Weltkriegen darzustellen. An der Figur Radek zeigte Heym seine Vorstellungen von Demokratie, Partizipation und sozialem Miteinander – allesamt im Spannungsfeld zueinander.

Heym widmete dem Versuch des Aufbaus einer demokratischen sozialistischen Gesellschaft, der noch maßgeblich von den Eindrücken des Krieges geprägt war, mit „Schwarzenberg“ einen ganzen Roman. Seine detaillierten Darstellungen waren stets eingebettet in akribisch recherchierte  historische Abläufe. Er wirkte weit über die Grenzen eines linken oder gar ostdeutschen Milieus hinaus. In seinen Werken, Interviews und öffentlichen Auftritten lassen sich unzählige Ansätze finden, gesellschaftskritische, utopische in jedem Fall aber demokratische, die es wert sind, aufgegriffen zu werden.

Heym selbst wollte nie als Ikone behandelt werden. „In Freundlichkeit“ sollte die Nachwelt „gelegentlich“ seiner gedenken. Das möchte die Rosa-Luxemburg-Stiftung tun und bei dieser Gelegenheit die Gedanken dieses Linksintellektuellen verbreiten und zum Gegenstand der eigenen Arbeit machen.

 

Jannine Hamilton/ Axel Krumrey