Was geschah im Juni 1953?

Was geschah im Juni 1953?

Stefan Heyms „Fünf Tage im Juni“ war der offiziösen DDR-Kulturpolitik nicht genehm. Zu differenziert, zu abwägend, nicht scharf genug in der Verdammung der Proteste.

Der Roman bleibt unbequem. Denn mit der in Westdeutschland gepflegten, mittlerweile kanonisierten Version, es habe sich um einen spontanen „Volksaufstand“ gehandelt, dessen Ziele Parlament, Marktwirtschaft und Wiedervereinigung gewesen seien, hat Heyms Werk ebenenfalls nichts zu tun.

In einem gerade im Tagesspiegel erschienen Artikel geht es nun darum, wie sehr Heyms Romanhandlung den damaligen Geschehnissen gerecht wird. Was wollten die Streikenden? Welche Rolle spielten westdeutsche Stellen, etwa der Sender RIAS?

Rainer Eppelmann, Ex-DDR-Bürgerrechtler und heute Chef der Stiftung Aufarbeitung, schlägt auf dem Podium in die gleiche Kerbe. Er verstehe nicht, warum Heym zur Ikone stilisiert werde, meint er. Denn für Heym sei der Aufstand von 1953 entsprechend der DDR-Diktion „letztlich ein imperialistischer Putsch“ gewesen – garniert nur mit „ein bisschen Verständnis für die, die damals auf die Straße gegangen sind“. Naiv nennt Eppelmann den Schriftsteller, der in der DDR wegen mehrerer Buchtitel ins Visier der Stasi geraten ist und zur Unperson wurde. Dieser müsse „blind oder ein Ideologe“ gewesen sein.

Erledigt ist das Thema offensichtlich nicht. Während Egon Bahr den Roman einfach nur „schrecklich“ findet, ist er für Eppelmann das Werk eines „Ideologen“. Bezeichnend, dass „Fünf Tage im Juni“ nun abermals als erinnerungspolitische Provokation wirkt – weil das Buch nicht „die richtige DDR-Kritik“ übt!