"Mutiger Citoyen"

„Mutiger Citoyen“

Im Neuen Deutschland bespricht Klaus Bellin das Buch „Ich habe mich immer eingemischt“:

Die Beiträge, so unterschiedlich sie auch ausfallen, drehen sich in der Hauptsache um die letzten Jahre im Leben Stefan Heyms. Die Rede ist von seinen Einwürfen, Ermunterungen, Reden und Gesprächen, mit denen er den Gang der deutschen Dinge begleitet und kommentiert hat, vom denkwürdigen 4. November 1989 und natürlich, wen wundert’s, von jenem Tag fünf Jahre danach, als er, der Alterspräsident, am Pult stand, um die Sitzungsperiode des neu gewählten Bundestags zu eröffnen, und die Mehrheit der Abgeordneten ihm in eisiger, blamabler Arroganz jede Achtung verweigerte.

Die Rede ist von der Konsequenz eines Lebens, in dem es kein Ducken, kein Zu-Kreuz-Kriechen gab, von kleinen, beiläufigen Gesten und dem für ihn selbstverständlichen Einsatz gegen Einschüchterung und Bevormundung, von Würde, List, Weisheit, Geradlinigkeit und einer Rhetorik, der das Schwammige so verhasst war wie das Unaufrichtige, wie Worthülsen, wie Demagogie.