Gründungstext des Festkommitees zum 100. Geburtstag

Gründungstext des Festkommitees zum 100. Geburtstag

Stefan Heym kam am 10. April 1913 in Chemnitz in einer jüdischen Mittelstandsfamilie zur Welt. Sein Leben spiegelt – wie das kaum eines anderen – die Brüche, Zumutungen und Hoffnungen des 20. Jahrhunderts wieder, was er als Alterspräsident des Deutschen Bundestages 1994 so formulierte:

Ich selber habe den Brand gesehen. Kurz darauf musste ich Deutschland verlassen und sah es erst in amerikanischer Uniform wieder. Ein Überlebender. Und kehrte Jahre später dann in den östlichen Teil des Landes zurück, in die DDR. Wo ich auch bald in Konflikte geriet mit den Autoritäten. Und wenn einer wie ich, mit dieser Lebensgeschichte sich jetzt von hier aus an Sie wenden und den dreizehnten Bundestag, den zweiten des wiedervereinigten Deutschland eröffnen darf, so bestärkt das meine Hoffnung, das unsere heutige Demokratie doch solider gegründet sein möchte, als es die Weimarer war.

Heym war sein Leben lang Antifaschist, Demokrat und Sozialist. Er hat nie geschwiegen, hat sich eingemischt als Schriftsteller, als Journalist, als Soldat, als Mahner und Politiker. Er war bissig, kritisch, ironisch, aufbrausend, rhetorisch begnadet, störrisch, widerständig, weise. Er hat sich herrschenden Doktrinen oder Ismen nicht gebeugt, noch sich vereinnahmen lassen.

Wir wollen das Lebenswerk von Stefan Heym zu seinem 100. Geburtstag würdigen. Wir laden alle ein, sich daran zu beteiligen. Alssen Sie uns Stefan Heym ehren, indem wir seine Bücher lesen, über seine Gedanken sprechen und Haltung beweisen wie er.

Berlin, 21. Mai 2012

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